Anschluss und Emergenz: Betrachtungen zur Irreduzibilitat by Rasco Hartig-Perschke

By Rasco Hartig-Perschke

Um eine Ablosung des soziologischen Denkens in hypotaktischer Uber- und Unterordnung" durch das Denken von parataktischer Verknupfung und Verfl- sigung" gegangen (Bude 2001: 68). Richtet guy den Blick auf die jungere V- gangenheit, so lasst sich feststellen, dass methodologischer Individualismus und soziologische Systemtheorie weiterhin in der Mitte" der theoretischen Diskus- on prasent sind (vgl. zusammenschauend u. a. Beitrage in Schimank und Greshoff 2005, Greshoff und Schimank 2006 sowie Schmitt, Florian und Hillebrandt 2006). Dass methodologischer Individualismus und Systemtheorie Theoried- kussionen weiterhin pragen, durfte nicht zuletzt daran liegen, dass beide Ansatze nicht nur einen expliziten universaltheoretischen Anspruch formulieren, sondern diesen auch unter allen Umstanden zu wahren versuchen, indem sie andere Th- rien in ihren eigenen Begrifflichkeiten rekonstruieren und in ihren eigenen B- riffen zeigen, warum gegen sie opponiert wird (vgl. Sutter 2006: 64). Reibungen und Konflikte zwischen den beiden Paradigmen waren vor allem aufgrund ihres entgegengesetzten Umgangs mit den soziologischen Grundbegriffen der ok- munikation und des Handelns immer vorprogrammiert und bleiben es auch w- terhin. Die grundlegenden Annahmen beider Paradigmen sind zuletzt im Rahmen der soziologischen Emergenzdebatte (vgl. Heintz 2004, Sawyer 2005, Albert 2005, Butterlin 2006 und Greve 2006) erneut diskutiert, kritisiert, reformuliert und erganzt worden. Das Hauptaugenmerk dieser Debatte gilt ganz unmittelbar der Frage, wie sich die Eigenstandigkeit sozialer Phanomene bzw. sozialer O- nung grundsatzlich denken, belegen und erklaren lasst. In seiner Standortbestimmung" nennt Heinz Bude eine Reihe typischer Wendungen und Begriffe, die in individualistischer bzw. systemtheoretischer Perspektive die Eigenstandigkeit des Sozialen, d. h.

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H. : 37) mit abhängen („synchrone Determiniertheit“). Emergenztheorien scheinen damit durch ein vermeintliches Paradox gekennzeichnet: Die These des materiellen Monismus schließt die Annahme eines Substanzdualismus14 konsequent aus, und emergente 13 14 Der Begriff „System“ wird hier zunächst in einem allgemeinen Sinne verwendet und meint ein Gesamt von miteinander in einer bestimmten Beziehung stehenden, auch dynamischen Elementen, welches sich aufgrund seiner Charakteristika bzw. Eigenschaften für eine Beobachterin/einen Beobachter als different darstellt bzw.

Zum Begriff auch Sawyer 2005) konkret zu verstehen ist, und wie sich Emergenzprozesse soziologisch gehaltvoll modellieren lassen. Dass soziale Phänomene eine eigene Identität aufweisen, die sich nicht abschließend auf der Basis einer Betrachtung von Intentionen, Handlungsentscheidungen, typischen Handlungslogiken, Handlungstypen, Beziehungsstrukturen, individuellen Vorstellungen über Sozialität etc. erschließen und rekonstruieren lässt, dass das Soziale ganz eigene, „unabhängige“ und somit emergente Qualitäten aufweist, scheint einerseits außer Frage zu stehen.

Sie reichen von der konversationsanalytisch „geerdeten“ systemtheoretischen Begriffsbildung (Schneider 1994, 2001 und 2004, Messmer 2003a und 2003b) über beobachtungs- (Baecker 2005) und symboltheoretische (Willke 2005) Ansätze bis hin zur semiotisch und bedeutungspragmatisch informierten Weiterentwicklung des Luhmannschen Kommunikationsbegriffs (Malsch 2005). Überführen wir die angesprochene Problematik in konkrete Fragestellungen: Wie lässt sich die Emergenz sozialer Eigen- und Strukturwerte auf der Basis von Kommunikationsanschlüssen auf den Begriff bringen und erklären?

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