Alltagswissen, Interaktion und Gesellschaftliche by Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen

By Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen

Im vorliegenden Band wird versucht, dem deutschsprachigen Leser einige sozial wissenschaftliche Forschungsansatze vorzustellen, die in den Vereinigten Staaten zunehmend Interesse findEn, im deutsch sprachigen Raum - abgesehen vom Symbolischen Interaktionismu- bisher jedoch kaum rezipiert sind: den Symbolischen Interaktionis mus, die Ethnomethodologie, die Ethnotheorie (ethnoscience) und die Ethnographie des Sprechens. Diese Ansatze verbindet das In teresse, bei der Beschreibung und Erklarung gesellschaftlicher Phanomene mitzuberucksichtigen, wie die Gesellschaftsmitglieder selbst die gesellschaftliche Wirklichkeit erleben. Ohne Berucksich tigung der Eigenperspektive der GesellschaftsmitgIieder kann guy - so diese Ansatze - nicht zureichend erklaren, warum in spezifi schen sozialen Situationen spezifische Personen in bestimmter Wei se und nicht anders handeln. Die hier zusammengestellten Ansatze verbindet additionally ein zentrales Interesse am All t ag sw isse n der Gesellschaftsmitglieder. inso fern unterscheiden sie sich von der'klassischen deutschen Wissens soziologie, die weniger am selbstverstandlichen Alltagswissen der Gesellschaftsmitglieder, denn an hochtheoretischen "sekundaren" Konstruktionen sozialer Gruppen interessiert conflict. Ein weiterer Unterscheidungspunkt ist der, dass diese Ansatze versuchen, die Alltagswissensbestande, auf die sie im Laufe ihrer Forschung stossen, in ihrer permanenten Erzeugung, Umkonstruktion und An wendung im Interagieren der Gesellschaftsmitglieder zu erfassen und nicht als losgeloste Gesamtheiten sozialen Aggregaten korrelativ gegenuberzustellen - sozialen Aggregaten, die bereits immer schon abschliessend vorverstanden sind. Das Alltagswissen ist fur die ge nannten Ansatze nur insofern interessant, als es ein heuristisches Medium zur empirischen Erfassung des Handeins der Gesellschafts mitglieder und der systematischen sozialen Strukturiertheit dieses Handeins ist.

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Deutsche Forschung in der Antarktis: Wissenschaftlicher Fortschritt und Perspektiven

Content material: bankruptcy 1 Die globale Sonderstellung der Antarktis (pages 1–64): bankruptcy 2 Klimawandel (pages 65–99): bankruptcy three Energie- und Stoffkreisläufe (pages 101–122): bankruptcy four Physikalische und biologische Prozesse in polaren Systemen (pages 123–162): bankruptcy five Rahmenbedingungen für die deutsche Antarktisforschung (pages 163–199):

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Sie hängen sehr eng mit den Entscheidungen für bestimmte Handlungsalternativen zusammen und kristallisieren sich wie die letzteren gewöhnlich erst im Verlauf der Handlungsperformanz , die bereits anlaufen konnte, da der allgemeine Erwartungsfahrplan alltagsweltlicher Ereignisse eine erste Handlungsorientierung "ins Ungewisse hinein" stets ermöglicht. B. h. situationsspezifischen oder interaktionsepisodenlangen , Aufmerksamkeitsspannweiten anfüllbar sind. PIKE) Wie die beiden ad-hoc-Strategien des In-Rechnung-Stellens sind auch Situationsdefinitionen weitgehend routinisiert.

Auf diese Art entstehen krisenhafte Unsicherheitszonen gesellschaftlicher Erwartungen. B. ist durch Vorschriften, Entscheidungen und das Verfügbarmachen bzw. "Fehlen" von Ressourcen auf Landesebene mitdeterminiert , die nur zum kleinen Teil eindeutig antizipierbar sind. ) Die Anpassung des Fahrplanes allgemeiner Erwartungstypen an die soziohistorisch konkreten Interaktionssituationen wird in adhoc-Interpretationsstrategien bewältigt. ) Die ad-hoc-Strategien routinisieren das nicht exakt Planbare in Prozessen, die zwar in ihren konkreten historischen Vollzügen je spezifisch sind, andererseits jedoch mit identischen formalen Verfahrenselementen arbeiten, so dass sie als Selbstverständlichkeiten von jedem Gesellschaftsmitgli~d beherrscht werden und für jedes andere Gesellschaftsmitglied verständlich sind.

Die Positionsinhaber verlassen sich auf die Wirksamkeit dieses Prozesses und nehmen dem IIOpfer" die Chance, bei thematisierten Widersprüchlichkeiten lIeinhaken 11 und von hier aus gegen den Geschäftsgang eine wirksame Entkommensoder auch Proteststrategie entwickeln zu können. Die Folge ist eine strukturell erzeugte verringerte Interaktionskapazität , die bis zur vollständigen Handlungslähmung des Klienten führen kann. Hierauf scheinen auch die Interaktionsfiguren abzuzielen, mit denen Ärzte und Pflegepersonal dem Krankenhauspatienten entgegentreten, um das bürokratische Funktionieren des Krankenhausapparates zu sichern.

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